Das Selbstwertgefühl
******************************

Woher kommt eigentlich das Selbstwertgefühl?
Diese Frage wird viel zu selten gestellt. Es gibt auch nicht nur eine
schematische Antwort, sondern hier ist die Komplexität unserer Persönlichkeit auf
vielerlei Weise angesprochen.
Aber generell gilt: Hüten wir uns vor dem so üblichen und inzwischen schon als normal
empfundenen Herabwirtschaften unserer Selbstwertschätzung! Wir leben leider inzwischen in
einer Zeit und Kultur, in der das Sich-selbst-Infragestellen, das Hervorheben der eigenen
Defizite und Schwachpunkte zu den allgemein geforderten Standardritualen gehört
nicht überall in der Welt oder in Europa, aber in Deutschland mit Sicherheit.
Am besten wird das klar, wenn man beobachtet, welcher Kult um alles getrieben wird, was
mit "Selbstkritik" zu tun hat. Da wird immer wieder
gefordert, man solle gefälligst "selbstkritisch" sein, "sich selbst
kritisch betrachten", sich und die eigenen Einstellungen "hinterfragen"
usw.
Für abstumpfte, hohle Charaktere mag das durchaus auch mal nützlich sein, aber als
verinnerlichte Grundhaltung ist es gewiss nur noch schädlich und zersetzend. Jeder neigt ohnehin dazu, sich selbst viel kritischer und unfähiger zu sehen,
als er in den Augen anderer erscheint. Wer empfindet sich schon als gutaussehend,
intelligent, reif oder interessant? Spricht man z.B. attraktive junge Frauen auf ihr
Äußeres an, so kommen sie einem mit den verrücktesten Kleinigkeiten:
"Aber..."
"Aber, meine Haarfarbe..."
"Aber, ich bin doch viel zu dick..."
"Aber, meine Beine sind doch zu..."
Ist sie schlank, dann empfindet sie sich als
"zu dünn", ist sie fülliger, dann als "zu dick". Fast keine
wirklich fast keine empfindet ihr Äußeres als zufrieden stellend!
Und männlichen Kandidaten wird mit steter Beharrlichkeit eingehämmert, sie hätten noch
"nicht genug geleistet" es gäbe da noch Karriereleitern, die erst noch
zu erklimmen wären, ihre Geldmittel seien bei weitem noch nicht tragfähig genug. Immer
wieder heißt es da:
"Du bist noch nicht...",
"Du musst noch..."
"Ja, wenn du mal erst..."
"Der X, der hat, aber du..."
Dieses Rennen verläuft wie das zwischen dem
Hasen und dem Igel. Wer damit erst einmal anfängt, der bringt nichts mehr
zustande, sondern reibt sich völlig auf. Und erst ganz am letzten Punkt des
Zusammenbruchs, wenn seine Wünsche immer noch nicht in Erfüllung gegangen sind, merkt er
vielleicht wenn überhaupt! , wie aussichtslos und absurd das ganze Spiel
war.
Aber wie viele kommen so weit?
Diese Tretmühlen nützen vielleicht der Wirtschaft, aber nicht dir. Fürs
Selbstwertgefühl brauchst du nichts Neues, sondern es reicht das, was du jetzt hast.
Erkenne deine Stärken, und du hast mehr zu Gebot, als du je ahntest. Und sei stolz darauf
ohne Einschränkungen und Relativierungen!
Selbstwertgefühl, das ist kompromisslose Positivität in Einstellung und
Ausstrahlung. Das ist das Durchschauen des so einfachen Zusammenhangs, wie wenig es
bringt, sich immer nur im Problemewälzen und Jammern zu ergehen und sich von den
politischen Hiobsnachrichten der Medien hypnotisieren zu lassen.
Selbstwertgefühl das muss man hegen und pflegen, so dass es langsam, langsam
wächst. Und dann ist der andere fast zwangsläufig dankbar, wenn wir uns ihm zuwenden.
Deshalb ist der erste Schritt nicht, auf den anderen zuzugehen und von ihm Bestätigung zu
erhoffen, um sich daraufhin selbst wertvoll fühlen zu können, sondern sich selbst gut zu
fühlen und die eigene Lebensfreude zu päppeln. Düstere Stimmungen rechtzeitig zu
verabschieden und sich für Glück und Frohsinn zu entscheiden für Tanz und
Lachen. Sollen die anderen weiter ihre Gesichter verziehen und ihre Sorgenfalten hegen!
Sollen sie weiter denken, das müsse nun mal so sein und trage ganz gewiss zum
historischen Fortschritt bei, denn man müsse sich ja aller Zwiespältigkeiten und
Komplexitäten des modernen Daseins bewusst werden! Sollen sie laß' sie da sitzen
du brauchst sie nicht. Vermutlich ist es ihr Verständnis von Glück, lass' es sie
auskosten bis zur bitteren Neige, denn so wollen sie es, und versuche bloß nicht, sie
daran zu hindern oder ihnen zu helfen.
Selbstwertgefühl erzeugt Neid, aber auch das darf uns nicht abbringen. Dieser Neid ist
die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Es ist heimliche Bewunderung.
_____________________________________________________________________
*Der Text "Das Selbstwertgefühl" wurde von http://www.reschke.de/ideenmagazin/2_swg.htm
übernommen*